Die Außenstelle in der Landesunterkunft Boostedt

Die Außenstelle in der Landesunterkunft Boostedt

Seit dem 01. Januar 2018 werden die Kinder, die in der Landesunterkunft (Luk) Boostedt auf dem Gelände der ehemaligen Rantzau-Kaserne leben, von Lehrkräften unserer Schule unterrichtet. Zuvor war das Deutsche Rote Kreuz (DRK) für die Sprachförderung der Kinder und Jugendlichen zuständig. Seitdem hat das engagierte Team von Lehrkräften unter der Leitung von Frau Drummen eine solide Struktur für Schule und Unterricht entwickelt und es gibt viele Parallelen zu einer regulären Schule. Zudem gibt es ein sehr gutes Netzwerk mit den Institutionen in der Landesunterkunft, sodass gemeinsame Aktivitäten u.a. mit dem DRK (z.B. ein Selbstbehauptungskurs für die Mädchen) oder der Polizei (z.B. Projekttag Verkehrserziehung) regelmäßig stattfinden.

Unsere Schule, das Schulgebäude "P12", liegt am Rand der Luk und verfügt über einen großzügigen grünen Schulhof mit einer weitläufigen Rasenfläche. Dort verbringen die Kinder ihre Pausen mit Aktivitäten wie Fußball, Badminton, Springseilspringen und Seifenblasen. Die sieben Klassenräume und Flure sind bunt gestaltet und mit Kunstwerken der Kinder sowie mehrsprachigen Lernpostern versehen, auf denen Gegenstandsbezeichnungen (z.B. "das Fenster") abgebildet sind. Auf der anderen Geländeseite der Luk befindet sich eine Sporthalle, die gelegentlich auch von der Schule genutzt werden kann.

Derzeit (Januar 2024) unterrichten vierzehn Lehrkräfte etwa 300 Schülerinnen und Schüler im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren, während die älteren Schülerinnen und Schüler an den Beruflichen Schulen in Neumünster unterrichtet werden und Erwachsene die Sprachkurse der Volkshochschule besuchen. Unser Team wird außerdem durch Rieke Tonn, die momentan ihr FSJ bei uns in der Außenstelle absolviert, enorm bereichert. Auch Frau Drummen selbst unterrichtet zweimal wöchentlich die Kinder, die aus verschiedenen Ländern wie Syrien, Afghanistan, dem Irak, Iran, Russland, der Türkei, Serbien und vielen anderen nach Deutschland gekommen sind. Die Sprachkenntnisse der Kinder sind sehr unterschiedlich. Neben verschiedenen Herkunftssprachen wie Arabisch, Kurdisch, Ukrainisch oder Farsi haben viele Kinder auch Grundkenntnisse in Englisch, Schwedisch, Französisch, Spanisch oder sogar schon Deutsch. Einige Familien, die in der Luk untergebracht sind, leben bereits seit mehreren Jahren in Deutschland, und die Kinder sind hier geboren. Einige Schülerinnen und Schüler bleiben in Abhängigkeit vom Asylverfahren für lange Zeit in der Unterkunft und somit an unserer Schule, andere werden nach einigen Wochen in einen Kreis verteilt. Da auch täglich neue Familien in Boostedt ankommen, ist die ständige Veränderung in den Klassenverbänden somit immens. 

Der Unterricht ist aktuell in zwölf Lerngruppen mit 15 bis 29 Schülerinnen und Schülern vielfältig gestaltet. Jede Lerngruppe hat einen eigenen Stundenplan, der drei Unterrichtsstunden pro Schultag umfasst. Jeweils sechs Lerngruppen werden von 07.30 bis 10.00 Uhr und von 10.30 bis 13.00 Uhr beschult. Obwohl der Schwerpunkt der Unterrichtszeit natürlich auf dem Deutsch als Zweitsprache (DaZ)-Unterricht liegt, finden sich in den Stundenplänen viele andere Fächer und Themen wieder. Fächer wie Mathematik, Kunst, Sport, Musik oder Weltkunde bieten großartige Möglichkeiten, um neben dem fachlichen Inhalt vor allem die Fach-Sprachkenntnisse zu erwerben, die eine spätere Teilhabe am Fachunterricht der Regelschule erleichtern. 

Wer an Deutschunterricht denkt, verbindet dies oft mit Grammatikeinheiten, Rechtschreibregeln, Interpretationen und anderer Textarbeit. Im DaZ-Unterricht geht es jedoch erst einmal darum, die mündlichen Kommunikationsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler auszubauen. Dazu gehört der Erwerb eines sogenannten Grundwortschatzes, der hauptsächlich Alltagsvokabular wie die Wochentage und häufige Phrasen („Ich heiße … und ich bin … Jahre alt.“) umfasst, ebenso wie das Üben von Dialogen in alltäglichen Situationen („Wann kommt der nächste Bus?“, „Wo kann ich Brot kaufen?“ usw.). So wird ein erster Zugang zur Sprache geschaffen, der den Schülerinnen und Schülern dabei hilft ihren Alltag in Deutschland zu gestalten. 

Unabhängig vom Fach ist der Unterricht geflüchteter Kinder stark von zahlreichen Ritualen geprägt, die den Schülerinnen und Schülern einen strukturierten Tagesablauf bieten. So wird zum Beispiel in allen Lerngruppen zu Beginn des Tages über den aktuellen Tag und das Datum gesprochen. Auch der Wetterbericht ist ein fester Bestandteil des Morgenrituals. Es ist besonders wichtig, dass die Lernenden einen überblickbaren Schultag haben, insbesondere bei der Arbeit mit möglicherweise traumatisierten Kindern. Das Ziel, den Schülerinnen und Schülern in der Schule ein Gefühl von größtmöglicher Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, steht für die Lehrkräfte an oberster Stelle. Zu den täglichen Ritualen gehört auch eine kleine „Obstpause“, die durch das Schulprogramm "Obst, Gemüse und Milch", das vom LLUR betreut wird, möglich ist.

Die Schule in der Luk ist sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrkräfte etwas Besonderes. Es ist immer wieder beeindruckend zu beobachten, wie Kinder, die anfangs "sprachlos" sind, allmählich sprachlich und emotional wachsen und manchmal zu wahren Geschichtenerzählern werden. Aber auch ein Gespräch mit einem Kind über bevorstehende Veränderungen und die damit verbundene Aufregung oder sogar Angst ist ein berührender Moment. Um den Start in ihr neues Leben nach der Kreisverteilung zu erleichtern, bemühen wir uns, den Grundschülerinnen und Grundschülern beim Abschied einen Schulranzen mitzugeben. Dies wird auch durch die regelmäßige Sammlung von Schulranzen durch Sabine Duggen ermöglicht.

Um den Kindern der Stammschule und den Kindern aus der Luk das Kennenlernen und den Austausch miteinander zu ermöglichen, gibt es regelmäßig die Möglichkeit für die Kinder der Luk, am Angebot der Offenen Ganztagsschule teilzunehmen. Durch die Zusammenarbeit von Hauke Petersen und Severine von Stemm wurde auch der Grundschulchor der Stammschule zwischenzeitlich zu einem "gemischten Chor" und begeisterte bei mehreren Auftritten das Publikum. Seit 2018 gibt es dank des großen Engagements von Hartwig Puhlmann und dem DRK während des Ferienpasses weitere Begegnungsmöglichkeiten zwischen deutschen und geflüchteten Kindern. Auch an Aktionen der Stammschule wie beispielsweise dem Lauftag nehmen wir mit unseren Schülerinnen und Schülern sehr gerne teil.

Ansprechpartner bei Fragen: Michaela Kühl

Die zweite Außenstelle  Ein kleiner Teil der GGS Boostedt in Segeberg 

Fährt man die A21 Richtung Süden und schaut kurz vor der Abfahrt „Segeberg-Nord“ rechts aus dem Fenster erblickt man ein recht großes Feld weißer Container. Hierbei handelt es um eines von insgesamt fünf Wohn-Containerfeldern, in denen unter anderem die Kinder und Jugendlichen untergebracht sind, die unsere Schule besuchen. Denn auf einem Teil des Geländes der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg gibt es seit dem Jahr 2020 eine weitere Außenstelle der Grund- und Gemeinschaftsschule Boostedt. Klein angefangen werden hier heute zwischen 120 und 200 Schülerinnen und Schüler von aktuell neun Lehrkräften unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus vielen Ländern – schwerpunktmäßig (Stand Januar 2024) aber aus Afghanistan, dem Irak, dem Iran, Syrien, der Ukraine, Russland und der Türkei. Wünsche, Ziele, mehrfache Entwurzelung, Traumata – wo setzt Schule da an? Unsere Antwort fußt auf drei Säulen: 

  1. Ankommen

Durch tägliche Rituale, Wertschätzung und einen festen Tagesablauf, aber auch durch die Vorgabe klarer Regeln erfahren die Schülerinnen und Schüler in unserer Schule Sicherheit und Struktur.

  1. Sprachvermittlung

Die Schülerinnen und Schüler gehen bei uns täglich durch ein „Sprachbad“, welches aus überwiegend mündlicher Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache besteht. Alltagsthemen und Situationen werden behandelt und mehrfach durchgespielt. Natürlich spielt auch die Verschriftlichung der deutschen Sprache eine große Rolle. Ziel ist es, unsere Schülerschaft für den Alltag wie auch für die Regelschule in Deutschland fit zu machen.

  1. Übergänge gestalten

Transfer und Rückführung - diese beiden Worte beschäftigen unsere Schülerschaft quasi permanent. Kommt es zu einem Transfer in eine deutsche Gemeinde unterstützen wir die neue schulische Heimat der Kinder mit Informationen. Unser Abgangszeugnis zeigt den Sprach- und Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler auf. Ebenso wird auf das Sozial- und Arbeitsverhalten wie auf behandelte Lehrwerke, Talente und außerschulisches Engagement eingegangen. Den Eltern und Schülerinnen und Schülern werden im Rahmen eines Zeugnisgesprächs Rückmeldung zum Arbeits- und Sozialverhalten gegeben.

Die Außenstelle Segeberg hat derzeit einige Herausforderungen zu bewältigen: Die räumliche Situation kann als ausbaufähig bezeichnet werden, da für die gesamte Schülerschaft nur vier Klassenräume - noch dazu an zwei unterschiedlichen Standorten – zur Verfügung stehen. Doch räumliche Verbesserungen sind in Sicht und Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte hoffen auf eine baldige Umsetzung.

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